Sport | Dienstag, 9. November 1999


Michael Hristidis erkämpft sich den Europameister-Titel im Kickboxen nach WKN-Version

Im Europameisterschaftskampf zwischen Michael Hristidis und dem Franzosen Caldeira Guillaume gewann der St. Galler dank geschickter Taktik und Können. Der Franzose gab in der achten Runde auf.

Rudolf Käser

Der Europameisterschaftskampf (bis 69,87 Kilogramm) bildete in der alten Kreuzbleichehalle, nach acht vorherigen Thai-Boxkämpfen den sportlichen Höhepunkt. Die 500 Zuschauer erlebten zuerst einen verhaltenen Hristidis, der sich ab der dritten Runde stetig steigerte und den Franzosen in der achten Runde zur Aufgabe zwang.

Es spielte sich im Kopf ab

Guillaume bildete für Hristidis bezüglich Stärke weitgehend eine unbekannte Grösse. «Ich wusste lediglich, dass er schon mehrere Kämpfe über die ganzen zehn Runden bestritt und folglich in guter konditioneller Verfassung sein musste», sagte der Herausforderer. Hristidis ging den Kampf vorsichtig an, wagte ab der zweiten Runde etwas mehr, übernahm in der dritten Runde die Initiative, um den Gegner ab dem fünften Durchgang vollends zu beherrschen. Der HSG-Student machte sich den Kampf eher selbst etwas schwer. «Ich war ungewöhnlich nervös und entsprechend spielte sich für mich das Ganze auch im Kopf ab.»

Nur einige blaue Flecken

Hristidis war mit seiner Vorsicht, vorgegeben von seinem Trainer Roy Battiwala, gut beraten. Spielte sich beim 28-jährigen St. Galler vieles im Kopf ab, so bekam er praktisch nichts am Kopf ab. «Es blieb insgesamt bei einigen blauen Flecken.».Guillaume erlitt in der Mitte des Kampfes eine Wunde oberhalb des linken Auges. Hristidis traf ihn an dieser Stelle danach mehrmals und landete in der Folge auch wirkungsvolle Kick-Treffer.Mehr als nur blaue Flecken kassierte Guillaume ab der fünften Runde. «Ab der siebten Runde war ich mich des Sieges fast sicher und ich legte deshalb nochmals zu», sagte der Schweizer. In der achten Runde machte der Franzose erste Anstalten der Aufgabe, um dann bald darauf das Handtuch zu werfen. Die Taktik Hristidis hatte ihn zermürbt. «Mir ist in diesem Kampf eine stetige Steigerung gelungen, was entscheidend war.»Als Europameister ist Michael Hristidis nun seinen Schweizer-Meister-Titel gemäss Reglement los. Binnen sechs Monaten ist er verpflichtet, einen Herausforderungskampf zu bestreiten. Sollte er zu einem Weltmeister schaftskampf gelangen und diesen gewinnen, würde er den EM-Titel verlieren, weil im Kick-Box-Sport jeweils der höhere Titel einen niedrigeren ablöst. Michael Hristidis verspricht sich mit seinem Titelgewinn und der gelungenen St. Galler Veranstaltung erst einmal einen Aufschwung für das Kick-Boxen. «Natürlich hoffe ich, dass ich bei der Veranstaltung in der Kreuzbleichehalle im kommenden Frühling dabei sein kann.»

Zufriedener Veranstalter

Ein neuer Kampf ist vorderhand nicht geplant. Der neue Europameister wird sich erst einmal von den Strapazen der Vorbereitung und des Kampfes erholen.Ermutigt zeigte sich der Promotor Gianfranco Manzan. Mit gut 500 Besuchern war die alte Kreuzbleichehalle praktisch ausverkauft. «Wir haben mit diesen beiden Veranstaltungen im vergangenen Frühling und jetzt sicher eine gute Basis beim Publikum gelegt», sagte Manzan. «Im Hinblick auf die dritte Veranstaltung im kommenden Frühling werden wir uns bemühen, noch eine erhebliche Qualitätssteigerung zu erreichen.»
 

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