Sport |Freitag, 19. März 2004

«Eine komplette Kämpferin»

Die Thaiboxerin Carole Flury bestreitet seit vergangenem Jahr auch Boxkämpfe

kampfsport. Mit grossem Ehrgeiz und viel Willenskraft hat sich Carole Flury bereits einige Titel erarbeitet. Morgen Samstag steht die mehrfache Schweizer Meisterin im Thai- und Kickboxen an der Fight Night in St. Gallen im Ring.

sabrina dünnenberger

«Sie sieht harmlos aus», Carole Flury deutet auf das Bild von Petra Buchberger, ihrer Gegnerin an der Fight Night von morgen Abend. Viel mehr weiss die 27-Jährige nicht über die Ungarin. Vom Aussehen darf sich Flury jedoch nicht täuschen lassen. Denn auch sie selbst wirkt nicht bedrohlich. Ihr herzliches Lachen unterstreicht diesen Eindruck. Wenn sie aber in den Ring steigt, dann meist mit Erfolg. 2001 wurde Flury erstmals Schweizer Meisterin im Thaiboxen, gewann den Titel 2002 und 2003 erneut und holte im vergangenen Jahr den Schweizer-Meister-Titel im Kickboxen.

Carole Flury ist eine der besten Thaiboxerinnen in der Schweiz und hat sich auch in Europa einen Namen gemacht. Mit dem Training hat die gebürtige Baslerin begonnen, als sie vor rund drei Jahren ihr Studium in St. Gallen aufgenommen hat. Zuvor übte sie andere Kampfsportarten wie Judo, Karate und Jiu Jitsu aus. Ihren ersten Kampf hat sie 2000 in Frankreich nach lediglich drei Monaten Training bestritten - und gewonnen. «Ich trat damals nur als Ersatz für eine ausgefallene Kämpferin an. Die Stimmung in der Halle und der Sieg spornten mich an, weitere Wettkämpfe zu bestreiten», sagt Flury. Der Durchbruch im europäischen Thaibox-Feld gelang Flury 2002. Sie siegte zweimal gegen Silvia Valicelli, die italienische Vorzeige-Kämpferin. «Vor allem der zweite Kampf in Rimini war bedeutend. Damals hatte ich nur drei Stunden geschlafen, weil wir im Stau gestanden hatten», erinnert sich Flury.

Männlicher Sparringpartner

Mittlerweile lebt Carole Flury im Rheintal, arbeitet im Fürstentum Liechtenstein als Wirtschaftsprüferin und trainiert im Wing Thai Gym Buchs - vorwiegend mit männlichen Kollegen. Ihr Sparringpartner ist Sok Kosol, der am Samstag ebenfalls kämpfen wird. Frauen zum Sparring zu finden ist schwierig; Kosol, der sonst in Rorschach trainiert, ist etwa gleich schwer. Trainer Rohy Batliwala attestiert der Kämpferin Willensstärke. «Sie ist eine ausgeglichene, komplette Athletin», sagt er. Daran arbeitet sie hart. Flury trainiert täglich von Montag bis Samstag, vor Wettkämpfen gar zweimal pro Tag.

Ziel Profikämpfe  
 
Seit dem vergangenen Jahr bestreitet Flury auch Boxkämpfe. Hier sieht ihre Bilanz - noch - nicht so positiv aus. Erst vor wenigen Wochen bezog sie gegen die Schweizer Nachwuchshoffnung Dina Burger ihre zweite Niederlage. Sie ist überzeugt, dass sie die erst 15- Jährige besiegen kann. «Auch aufgrund ihres Alters habe ich sie wohl unterschätzt.» Flury konzentriert sich vermehrt aufs Boxen, ein Ziel in diesem Jahr sind die Europameisterschaften im Amateurboxen. «Wenn ich einige Titel bei den Amateurinnen gewinnen kann, wird vielleicht ein Profikampf möglich», sagt Flury. Eine Lieblingsgegnerin hat sie bereits im Auge: Regina Halmich. Die Deutsche gehört zu den wenigen Frauen, welche vom Boxsport leben können. «Diese Entwicklung ist erfreulich, vielleicht wird es auch in der Schweiz irgendwann möglich, als Frau Boxprofi zu sein», sagt Batliwala. Hierzulande ist es gar für Männer fast unmöglich, den Profistatus zu erreichen, Sponsoring in Kampfsportarten ist nicht populär. Dabei haben sie sich vom Klischee der unkontrollierten Schlägereien längst befreit. Ausser mit schmerzenden Schienbeinen und blauen Flecken hat Carole Flury den Ring bisher unversehrt verlassen, und dies bestimmt nicht nur deshalb, weil ihre Gegenerinnen harmlos ausgesehen haben. (du)

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