Sport | Dienstag, 20. April 1999


In verschiedener Hinsicht etwas fürs Auge

Die Muay Thai Arena aus Rorschach als Veranstalter rief, und die Anhänger des Kampfsports kamen. Deren 500 versammelten sich in der Alten Kreuzbleiche zu St.Gallen, um mitzuerleben, wie mutige Männer ohne Furcht und Tadel in den Ring stiegen und um ihre Ehre kämpften. Denn viel mehr gibt es für Amateure nicht zu gewinnen, wenngleich die Verlierer zumindest eine Medaille, die Gewinner einen Pokal erhalten. Der im Programmheft angekündigte Frauenkampf entfiel, was keinen wirklich zu stören schien.

Eisbeutel

Dass beim Kampfsport - insbesondere beim Thai- und Kickboxen, wo es weder sich noch den Gegner zu schonen gilt - ab und an etwas ins Auge geht, ist nachvollziehbar. Ringarzt Arnold Jaeger hatte denn auch Gelegenheit, in das eine oder andere zugeschwollenEin Eisbeutel fürs Auge.Denjenigen, die mit ihren Augen keine Probleme hatten, und deren Blick in den Ring nicht durch einen Eisbeutel verwehrt blieb, wurde in den Kampfpausen Unterhaltung in Form von Nummern-Girls geboten. Wobei der jeweils aufbrausende Applaus weniger mit der zur Schau getragenen Rundennummer als viel mehr mit den Rundungen der Nummernträgerin zu erklären war. Mehr optisch denn musikalisch überzeugte auch DJ Ombré, der zum besseren Verständnis seiner Musik - viel Bass und ein wenig Melodie - zwei junge Frauen mit sich im Ring tanzen liess.

Verschenktes Unentschieden

Seiner Reputation als Höhepunkt wurde der Europameisterschafts-Kampf um den vakanten IKBO-Titel (-70 kg) gerecht. Dem Auge des Betrachters entging nicht, dass im Vergleich zu den vorangegangenen Begegnungen mit dem Basler Andreas Marchetti und dem Deutschen Albert Zimmermann zwei Akteure im Ring standen, die ihr Hand- und Fusswerk verstanden. Es entwickelte sich ein intensiver Kampf, bei welchem in den ersten Runden keiner der beiden Athleten gravierende Vorteile für sich erkämpfte. Marchetti gefiel vor allem durch seinen offensiven, kraftvollen Kampfstil. Technisch besser boxte der Deutsche.Dieser baute ab der sechsten von acht Runden zusehends ab. Das war nicht verwunderlich, war er doch vorerst nicht für den EM-Kampf vorgesehen. Er ersetzte kurzfristig seinen Landsmann Achim Häuser, der verletzungsbedingt absagte. Wohl auch vor diesem Hintergrund ergab sich die Wertung der Kampfrichter, die auf Unentschieden lautete. Zum Unmut der Zuschauer, die den Schweizer als Sieger sahen. Nach kurzer Beratung verkündete Zimmermanns Trainer, sein Kämpfer verzichte auf das Unentschieden, wenn Marchetti ihm eine Revanche zugestehe. Marchetti liess sich darauf den EM-Gürtel umbinden und schaut nun einer Titelverteidigung entgegen.Ralph WeibelRainer Bolliger
 

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